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Trageberaterin – wer ist das?

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„Tragen für alle zugänglich machen“ – ein Interview mit Meghan Harley Yugulis

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Hallo Meghan. Erzähl uns bitte ein wenig über dich und deinen Weg zum Tragen

Hallo, ich bin Meghan – Mama, Wissenschaftlerin, Stillbefürworterin, Trageunterstützerin, Sportlerin, Studentin. Ich brenne fürs Stillen, fürs Tragen, für Bildung und fürs Lernen. Ich bin ein Workaholic – ob es nun ums Rechnungenbezahlen oder ums Ehrenamt geht, Freizeit gibt es bei mir eigentlich nicht!

Zum Tragen bin ich gekommen, als ich mit meinem Sohn schwanger war. Ich habe dabei nicht nur eine Möglichkeit gefunden, mein Kind zu tragen, sondern eine Gemeinschaft. Eine eng verbundene Gemeinschaft, die mir Werkzeuge an die Hand gab, um mein Kind zu tragen und zu versorgen, und die mir half, meine „neue Normalität“ zu finden. Ich trage E, seit er eine Woche alt war; angefangen haben wir mit einem elastischen Tragetuch. Mit einem Monat nutzten wir Ringslings und Komforttragen. Mit drei Monaten hatten wir Mei Tais und gewebte Tragetücher entdeckt. Mit meinem Sohn, der jetzt zwei ist, nutze ich immer noch die meisten Tragearten. Und ich teile mein Wissen und meine Leidenschaft fürs Tragen sehr gern mit anderen.

Warum hast du dich entschieden, Trageberaterin zu werden?

Ich bin in meiner Gemeinde vor Ort sehr aktiv und versuche, auch in der Online-Trage-Community engagiert zu bleiben. Im Frühjahr 2016 wurde ich als Leiterin in meiner lokalen Organisation angeworben und habe 2017 den Grundkurs des Center for Babywearing Studies abgeschlossen. Ich unterrichte sehr gern und arbeite gern mit Menschen eins zu eins. Weitere Ausbildungen wie die CBWS-Schulung öffnen mir neue Türen, um das weiterzugeben, was mir selbst so sehr geholfen hat.

Was ist deine Mission als Trageberaterin? Was möchtest du deinen „Schülerinnen und Schülern“ vor allem vermitteln?

Tragen für alle zugänglich zu machen. Dass jeder tragen kann (oder sich dagegen entscheiden darf). Ich sehe viele Menschen, die glauben, wegen ihrer Größe, des Preises oder wegen ihres Geschlechts bzw. ihrer Rolle nicht tragen zu können. Es ist wunderbar, das Tragen allen Interessierten zugänglich zu machen und einige dieser Missverständnisse auszuräumen. Die Entscheidung fürs Tragen möchte ich immer in ihren Händen lassen. Man kann ein toller Elternteil sein, ob man trägt oder nicht – für uns war es eine großartige Option, und das motiviert mich, anderen dieselbe Chance zu ermöglichen.

Eine wunderbare Mission! Ich glaube, das ist nicht immer leicht. Was war bisher die größte Herausforderung …?

Meine größte Herausforderung ist, dass so viel in der Tragewelt online passiert. Zu beschreiben, was jemand tun kann, damit die Trage bequemer sitzt, kann schwierig sein. Wir lernen alle unterschiedlich, und für Trage-Neulinge kann die Fachsprache verwirrend sein. Ich verbringe viel Zeit damit, Videos, Fotos und andere Trageberaterinnen mit tollen Anleitungen zu verlinken. Ich schätze die Vielfalt der Beraterinnen und ihrer Kinder in den Videos sehr – so kann ich ein Video wählen, das besser zur jeweiligen Person, zum Kind und zu ihren Bedürfnissen passt. Jeder sollte Zugang zu Hilfe haben, auch aus der Ferne, damit es klappt. Viele Menschen scheinen eine Trage zu besitzen, die sie nie benutzt haben, weil … Genau diese „weils“ möchte ich beseitigen.

… und der größte Erfolg?

Mehr Wissen über lokale Trageangebote und damit einen besseren Zugang zu ihnen. Ich habe das große Glück, in einer Position zu sein, in der ich den Zugang in meiner Gemeinde verbessern kann. Derzeit leite ich den Ausschuss für die Leihbibliothek (bin also Bibliothekarin) meiner lokalen unabhängigen Tragegruppe. Ich habe daran gearbeitet, bekannter zu machen, was es gibt und wie man eine Trage ausleihen kann. Wir haben Daten zu jeder Trage erfasst, um Spenden geworben und Käufe getätigt, um den Bedürfnissen der Gemeinschaft besser gerecht zu werden. Wir haben versucht, den Zugang über Größen, Preisklassen und Tragearten zu verbessern. Wenn ich sehe, dass Workshops ausgebucht sind und jeden Monat doppelt so viele Tragen ausgeliehen werden, fühle ich mich sehr erfolgreich. Ich kann nicht jedem Interessierten persönlich eine Trage schenken oder leihen, aber als ehrenamtliche Helferin vor Ort finde ich weitere Wege, das Tragen zugänglich zu machen.

Ich bin wirklich beeindruckt! Erzähl mir mehr darüber, wie du Trage-Neulingen den Einstieg erleichterst. Organisierst du Kurse für mehrere Personen oder Einzeltermine? Welche Form bevorzugst du?

Wenn ich mit jeder Familie ein 60- bis 90-minütiges Einzelgespräch führen könnte, wäre das toll! In kleinerem Rahmen erreiche ich viel und kann die Bedürfnisse einer Person oder Familie besser verstehen. Kleine Details helfen oft, jemanden zu genau der richtigen Trage zu führen. Und sie machen den ganzen Prozess weniger überwältigend. Es gibt sehr viele Tragearten, Marken, Größen und Preisklassen. Statt also all dieses Wissen weiterzugeben, ist es schön, sich auf das zu beschränken, was im Moment relevant ist, und dann Quellen anzubieten, falls man weitere Optionen in Betracht ziehen möchte. Realistisch gesehen teile ich viele Informationen über Tragearten und gebe Empfehlungen online, und dann melden sich die Leute für einen Workshop an. So wissen sie, auf welche Tragen sie sich konzentrieren möchten, und es entsteht eine Lernumgebung in kleiner Gruppe. Kürzlich habe ich eine Kursreihe namens Summer Shorties gegeben. Ich habe sie mit einer anderen Beraterin aus der Gegend geleitet; es waren 7 Treffen im Park, bei denen es um kürzere Tragetücher ging. Das hat sehr viel Spaß gemacht; alle Teilnehmenden hatten viel gemeinsam und standen an einem ähnlichen Punkt ihres Tragewegs und Wissens. Eine neue Möglichkeit, die ich gerade erkunde, ist die Zusammenarbeit mit einem Geschäft vor Ort. Ich war kürzlich bei der Wiedereröffnung und konnte mit werdenden Eltern arbeiten sowie mit Eltern, die schon eine Trage hatten, aber Hilfe bei der Passform brauchten. Es war ruhiger als ein Kurs mit über 10 Personen, und ich konnte Menschen außerhalb meines bisherigen Einzugsgebiets erreichen.

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Oh, du bist so vielseitig und offen für viele Möglichkeiten! Was sind deine Pläne für die Zukunft? Möchtest du deine Tätigkeit um neue Bereiche erweitern?

Ich arbeite weiter an neuen Orten und Wegen, um Wissen übers Tragen weiterzugeben. Im August findet die Weltstillwoche statt. Es gibt mehrere lokale Veranstaltungen rund um La Leche League und die Black Breastfeeding Week, die ich unterstützen möchte. Diese Veranstaltungen sind gute Beispiele dafür, wie man Informationen weitergeben und frischgebackene Eltern erreichen kann, die vielleicht noch nicht ans Tragen gedacht haben, sich aber dafür interessieren und davon profitieren könnten. Eine meiner größten Hürden ist, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass es das Tragen gibt oder dass Organisationen und Beraterinnen helfen können – solche Gelegenheiten helfen, das zu überwinden.

Gerade suche ich nach Möglichkeiten, dort präsent zu sein, wo frischgebackene Eltern ohnehin sind. Das Besondere daran: Man erreicht eine Gruppe, die schon zusammenkommt und beim Thema Tragen wahrscheinlich auf ähnlichem Wissensstand ist. In meiner Heimatstadt gibt es zahlreiche Stillgruppen, zu einer davon wurde ich als Trageberaterin eingeladen. In einer solchen Gruppe ist es ein leichter Übergang, zusätzliche Informationen rund ums Elternsein anzubieten. Ich habe auch über Kooperationen mit Programmen des Gesundheitsamts und dem örtlichen Kinderkrankenhaus nachgedacht. Solche Kooperationen auf die Beine zu stellen, kann knifflig sein, deshalb habe ich auf verschiedenen Wegen Kontakt aufgenommen, wohl wissend, dass meine Erfolgsquote anfangs eher niedrig sein wird. Einige meiner jüngsten Schritte rund um Ausbildung, Versicherung und Zertifizierung sollen solche Kooperationen möglich machen.
Als Letztes arbeite ich an einem Arbeitsblatt für einen Kurs oder Vortrag. Ich möchte Interessierten eine Art Checkliste mitgeben. Während ich Tragen und ihre Eigenschaften vorstelle, können sie abhaken, was ihnen wichtig ist. So könnte ich auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Empfehlungen geben, auch ohne Einzelberatung. Ich glaube, das könnte Kurs und Beratung miteinander verbinden. Außerdem bietet es einen konkreten nächsten Schritt, der das Tragen leichter und damit zugänglicher macht (das ist doch das Motto, oder?)

Möchtest du noch etwas zur Rolle der Trageberaterin ergänzen?

Nun, ich liebe es! Aber ich erinnere die Leute immer gern daran, dass ich noch lerne – dass Beraterinnen immer weiterlernen. Was als sichere und akzeptierte Tragepraxis gilt, ist überall auf der Welt anders. Eigenschaften und Tragearten werden ständig verändert und neu erfunden. Deshalb hoffe ich, dass alle, mit denen ich künftig arbeiten darf, nicht nur von mir lernen, sondern mir auch die Chance geben, von ihnen zu lernen. Ich hoffe, dass sich die Menschen bei mir wertgeschätzt fühlen und wir gemeinsam lernen können.

Danke für das Interview, Meghan – und viel Erfolg!

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Meghan Harley Yugulis

Ausgebildete Trageberaterin und ehrenamtliche Leiterin bei Columbus Babywearing

https://www.facebook.com/HarleyHouseWearing/



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